Galerie Göttlicher
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Stephan Ehrenhofer - L.A. Series
Dauer der Ausstellung: 30. August bis 27. September 2003, Eröffnung am 30. August 2003 um 18:00
Es spricht: Cornelia Offergeld
Der Künstler ist bei der Eröffnung anwesend.
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L.A. Series

Einfachstes Layout - im rechten Winkel die gerade Linie kreuzen und schichten.

L.A. Series - Die Farben einer Stadt

Bunte Streifen aus Papier in den unterschiedlichsten Farbschattierungen. Bahnen, die sich kreuzen, sich überdecken, verschwinden, zum Vorschein kommen, mal verstecken, um gleich darauf selbst versteckt zu werden, an der Oberfläche entlang laufen oder sich unterirdisch erahnen lassen. Ein Spiel von Farben im Schachbrettformat. Schön und faszinierend.

Bilder, die anspielen auf den Blick über Los Angeles. Das Schachbrettformat als Charakteristikum. Straßen, unendlich viele, schön gerade, senkrecht oder waagerecht, sich kreuzend in Farben, die flimmern - je nach Lichteinfall: warm am Nachmittag, grell in der Mittagssonne, gedämpft in der Dämmerung. Die Farben einer Stadt. Der Eindruck vielversprechend, Illusionen erweckend, die Traumfabrik Hollywood treibt Erwartungen in unendliche Höhen.

Perspektivwechsel: L.A. ganz nah. Eintauchen in die Stadt. Immer auf der Spur des schönen Scheins. Riesige Leuchtreklamen funkeln und blinken, kündigen Großes an. Gespannte Erwartung. Endlich am Ziel holt die Wirklichkeit die Vorstellung ein. Das große Billboard direkt vor Augen und die ernüchternde Erkenntnis: Das war alles. Mehr kommt nicht. Die Illusion schwindet. Die Wirklichkeit ist karg. Was für ein Gegensatz. Glamour, Highlights, Faszination. Alles nur Bilder, nur Worte im Kopf. Die Welt ist künstlich, die Vorstellung ist echt. Einzig und allein die Farben leben - auch noch in der Erinnerung.

Und deshalb genau jetzt einen Schritt näher heran an die Bilder. Der Versuch einer tieferen Betrachtung, eines genaueren Hinsehens. Der Blick erkennt Strukturen, doch die Fassade durchdringt er nicht. Der Blick wird unscharf. Die Oberfläche verschwimmt und wird lebendig. Geometrische Formen tauchen auf und verschwinden. Schwerpunkte verschieben sich. Farbkorrespondenzen zeigen Wege auf und verlieren sich wieder. Die Wirklichkeit ist ein Dickicht. Die Vorstellung strukturiert. Und schon verschwimmen die Grenzen. Was sieht man, was will man sehen und was bleibt alles ungesehen.

Noch einmal zurück nach L.A., der Stadt des schönen Scheins. Eine Stadt voller Kreuzungen, Wege, Identifikationsmuster. Immer neue Raster stülpen sich über das Ursprüngliche, zivilisieren die Wüste. Die Stadt wächst und mit ihr Hoffnungen, Erfahrungen, Enttäuschungen. Was oben ist, glänzt im Licht. Blendet. Verstecktes und Verdecktes sieht man nicht. Dunkle Verbindungsstücke sind die Schattenseite. Unterirdische Strukturen tragen das Geflecht des schönen Scheins. Was durchs Raster fällt, entgeht der Wahrnehmung. Die Ahnung ist die einzige hauchdünne Verbindung.

Jeannette Cotta / Berlin

Wahre Wirklichkeit ...

ist für den bildenden Künstler nicht nur die Realität, die er glaubt selbst entdeckt zu haben; sie ist ein Paket geschnürt aus dem Realitätsspektrum, welches ihm durch die Künste, durch die Sprache seiner Zeit, aber auch durch die noch lebendigen Leitbilder der Kunst der Vergangenheit zugänglich sind. Der bildende Künstler muss sein Betroffensein durch diese Wirklichkeit entweder in eine vergegenwärtigende Rekonstruktion umsetzen, oder aber, wenn diese für ihn kein gangbarer Weg sein sollte, sie in überhöhter Form zu bewältigen versuchen.

Paul Virilio beklagt in seinem Buch "Revolution der Geschwindigkeit": "Immer geht es um Objektivität und Subjektivität, aber nie um Trajektivität. In der anthropologischen Diskussion um Nomadentum und Seßhaftigkeit wird erklärt, wie die Stadt als wichtigste politische Form der Geschichte entstanden ist; aber es fehlt jegliches Verständnis für das Vektorielle unserer auf der Erde hin- und herziehenden Gattung. Zwischen Subjektivem und Objektivem bleibt offenbar kein Platz für das Trajektive, nämlich dafür, dass eine Bewegung von hier nach dort stattfindet ... "

Ehrenhofer zeigt uns sein in Streifen geschnittenes und zum Quadrat gelegtes Farbspektrum und nennt es fast ketzerisch L.A. Serie. Dabei entsteht die kompromisslose trajektive Darstellung einer Stadt, einer Ordnung, eines Gesetzes oder gar eines Prinzips. Die Reduktion auf verschiedenfarbige Vektoren und die Zufälligkeit ihrer Anordnung und Schichtung führt in jedem der Bilder zum "rasenden Stillstand" und erstaunt: Die Realität L.A. ist so mannigfaltig wie die Zusammensetzung der einzelnen Bilder, basierend auf ein und dem selben Farbspektrum. Jedes der Bilder lässt eine andere Seite in uns klingen, sie rühren in unserem Realitätsspektrum, sie fordern unsere Sprache und Leitbilder, ein Prinzip gültig für ein Bild, gültig genau für einen Menschen.

Der trajektive Weg (eine in diesem Fall sehr sinnige Doppelung) weist sich in Ehrenhofers Bildern als ein sehr gangbarer. Er führt genau wie die anthropologische Diskussion zur politischen Diskussion; er liegt genau zwischen Objektivität und Subjektivität.

Berlin, 18.08.03
Fritz Bleuler




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